In den vergangen Jahren hat FRITZ!, ehemals AVM, sein SmartHome Portfolio stetig weiter ausgebaut. Neben Heizkörperthermostaten, Schaltern, Lampen, Steckdosen und Kontaktschaltern im DECT Funkband, bietet FRITZ! mit dem Smart Gateway auch schon länger eine Zigbee Integration an (sowie manche FRITZ!Box Modelle). Mit dem Energy 250 können jetzt Daten aus eurem Stromzähler ins SmartHome eingebunden werden. Nicht nur lässt sich das Bewusstsein sensibilisieren, welche Geräte Stromfresser sind, in dem Fall auch fest verbaute Maschinerie wie Kühlschrank, Herd oder Ofen, an die man nicht mal eben eine smarte Steckdose anschließen kann. Basierend auf Stromlieferung bzw. auch Einspeisung durch beispielsweise ein Balkonkraftwerk, lassen sich via FRITZ! Smart Home Automatisierungen schalten. Für komplexere und vor allem Platform-übergreifende Integration lassen sich die Daten auch in Home Assistant nutzen – für dynamische Stromtarife wie von tibber, lässt sich der Energy 250 allerdings nicht verwenden.
Wir schauen uns das FRITZ!Smart Energy 250 genauer an. Was lässt sich hierdurch ermöglichen, was sind vielleicht Herausforderungen bei der Installation. Aktuell ist der Energy 250 Lesekopf für ca. 70€ erhältlich, aber lässt sich diese Summe überhaupt einsparen?
Vielen Dank an dieser Stelle an FRITZ!, für die Bereitstellung des Testmusters. Einsteigen tun wir mit dem Unboxing.
Unboxing
Mit knappen 3 x 3 x 8 cm Abmessungen ist der Lesekopf nicht besonders groß, so auch die Verpackung.
Lieferumfang
Neben dem Lesekopf selbst werden zwei vorinstallierte AA Varta Industrial Batterien, eine Bedienungsanleitung und die Garantiebestimmungen geliefert.



Erstes Hands On
Nach dem Auspacken liegt der kleine Kunststoff Kasten vor aus, der schwarze Ring beherbergt den Magneten für die spätere Montage, ist allerdings zum Schutz in Gummi gehüllt. Auf der kurzen Seiten befindet sich der USB C Anschluss als alternative Stromversorgung. Die Vorderseite zeigt neben dem FRITZ! Logo, die Connect Taste und eine LED Leiste. Insgesamt wertig verarbeitet, wie man es erwarten würde – nach dem Einbau auf dem Stromzähler auf hoffentlich langes nicht wieder sehen.








Einbau
Der FRITZ!Smart Energy 250 ist bereits mit Batterien bestückt und muss lediglich über der Infrarotschnittstelle des Stromzählers angebracht werden. Er hält sich magnetisch fest, es muss lediglich auf die Orientierung geachtet werden. Bei unserem Landis Gyr E320 Stromzähler ragen passende Nasen aus dem Gehäuse hervor, die die Position genau vorgaben. Die Batterien versorgen den Lesekopf mit Strom, es kann aber auch die USB C Schnittstelle als Stromversorgung mittels Netzteil genutzt werden. Wir haben den Lesekopf jetzt 3 Monate im Einsatz und die Batterien zeigen noch 90% Status. Die Versorgung mittels Batterien sollte also weit über ein Jahr reichen, aber ein nettes Feature auch per USB zu versorgen.

Verbunden wird mit einem Druck auf die Connect Taste am Energy 250, sowie an der FRITZ!Box. Wie bei FRITZ! üblich, kommt auch bei Smart Energy 250 der DECT ULE Standard zum Einsatz, mit dem Reichweiten bis zu 40 m in Gebäuden möglich sein sollen. Gerade entscheidend, wenn der Stromzähler nicht direkt in der Wohnung ist. Unser Fensterkontaktschalter, den wir als Briefkasten Mitteiler umfunktioniert haben, funkt nach selbigem Standard und funktioniert bei uns auch in einem Mehrfamilienhaus, zwei Etagen unterhalb der FRITZ!Box zuverlässig.



Kompatibilität
Der Energy 250 Lesekopf ist laut FRITZ! mit den meisten, in Deutschland verwendeten Stromzählern kompatibel, nicht desto trotz solltet ihr vorher einen Blick in die Liste der offiziell unterstützten Zählermodelle werfen bzw. eher ob euer digitaler Stromzähler in der Liste der inkompatiblen Geräte nicht auf taucht. Analoge Stromzähler haben keine digitale Ausgabeschnittstelle, weswegen der Energy 250 dort nicht eingesetzt werden kann. Für dynamische Stromtarife ist der Energy 250 ebenfalls nicht geeignet. Vielmehr geht es ums auslesen, überwachen und Schalten von Smart Home Geräten auf Basis von Strom Ein- oder Ausgängen.

PIN
Die Infrarotschnittstelle des Stromzählers ist standardmäßig mit einem PIN geschützt und gibt somit keine Daten an den Lesekopf aus. Ihr müsst einmalig bei eurem Netzbetreiber den Pin-Code anfordern. Bei uns ist der Betreiber enercity, wo man den vierstelligen PIN in wenigen Minuten über ein Onlineportal abfragen kann. Soweit so gut, das war der einfache Teil, je nach Modell des Stromzählers kommt es jetzt nämlich zu einer Nervenprobe. Mittels Taschenlampe und kurzen bzw. langen Lichtimpulsen muss durch ein Menü navigiert und besagter PIN eingegeben werden. Ladet euch hierfür vorher anhand des Modelltyps eures Stromzähles die passende Anleitung herunter, da jeder Hersteller die PIN-Eingabe bzw. die entsprechenden Optionen wie INFO Schnittstelle aktivieren, PIN Schutz deaktivieren, etwas anders umsetzt. Es hat bei uns einige Anläufe gebraucht, aber nur bei korrekter Umsetzung kann der Lesekopf auch Momentanverbräuche lesen und nicht nur den Stromzählerstand. Vielleicht wäre hier noch eine LED im Lesekopf hilfreich gewesen, sodass man über das Webinterface die langen oder kurzen Impulse auslösen könnte.
Falls dabei irgendwas nicht korrekt lief, sieht es z.B so in der App aus:
Der Lesekopf ist dabei zwar mit der FRITZ!Box verbunden, kann aber keine Daten aus dem Stromzähler auslesen. Merkt euch: die INFO Schnittstelle muss aktiviert und der PIN Schutz deaktiviert werden.
Software
App
Der Lesekopf selbst hat bis auf die grüne bzw. rote LED keine direkten Anzeigemöglichkeiten, alles wird entweder in der FRITZ! Weboberfläche angezeigt oder über die FRITZ! Smart Home App. Einmal verbunden werden so die Gesamtverbräuche sowie Momentanverbräuche angezeigt. Falls ein entsprechender Zähler verwendet wird, vielleicht auch mit einem Steckersolarkraftwerk, können auch die eingespeiste Leistung sowie Gesamteinspeisung dokumentiert und angezeigt werden.



Generell werden neue Daten alle paar Sekunden an die FRITZ!Box und somit die App Anzeige versendet, der live Modus quasi. Wenn das System autark arbeitet und kein Nutzer aktiv auf die Werte schaut, passiert dies deutlich seltener. Die Gesamtenergie hat manchmal aber so ihre Probleme und lädt die Historie nicht korrekt. Ein Neustart der App hilft meistens, ansonsten zeigt die App u.U. minutenlang einen Ladekreis für die vergangenen Werte. Für den Statistiker in mir wären etwas mehr Anzeige und Filteroptionen schön, in der App aber auch in der Weboberfläche lassen sich keine vorherigen Zeiträume auswählen. Die Diagramme sind immer vom aktuellen Tag, der aktuellen Woche, dem aktuellen Monat oder der letzten 2 Jahre. Wenn ich aber jetzt in die Monatsansicht gehe, kann ich im Juli nicht mehr den Juni auswählen um mir dort die Tageswerte anzeigen zu lassen. Für die Historie sollte auf dem internen Speicher der FRITZ!Box eigentlich genug Platz sein, solang der User eine Speicherung wünscht. Die Diagramme selbst sind je nach Vorauswahl in mehrere Minuten, Stunden, 1/4 des Tages, ganze Tage oder Monate geteilt. In der konkreten Auslesematrix wird der Bereich zumindest bei 1 Tag oder 1 Woche nicht direkt angegeben und man muss etwas schätzen um welchen Zeitraum es sich genau handelt – das geht besser.






FRITZ! arbeitet allerdings kontinuierlich an neuen Funktionen und Fehlerbehebung und ist bekannt für langen Hardware Support, so erwarte ich baldige Updates. Z.B. lässt sich aktuell keine Einspeisevergütung von 0 Cent einstellen und es musste immer ein positiver Wert hinterlegt sein. Bei steckerfertigen Solaranlagen bzw. Balkonkraftwerken ist allerdings keinerlei Vergütung vorhanden, somit würden sich die Werte nicht korrekt berechnen. Erste Abhilfe schaffte ein Wert von 0,0001 Cent was eigentlich nicht der Weg sein sollte.
Webinterface
Über eure FRITZ!Box sieht das Interface ähnlich aus:
Es werden grundsätzlich die gleichen Einstellungs- und Anzeigemöglichkeiten geboten, wie auch in der App. Hier funktioniert das Laden der Historie zuverlässiger, dafür lässt sich der Einspeisestrompreis gar nicht einstellen – ebenfalls ein kleiner Bug würde ich vermuten. Wohingegen in der App zwischen kWh und Euro umgeschaltet werden kann, lässt sich in der FRITZ! Weboberfläche zusätzlich noch das erzeugte bzw. eingesparte CO2 anzeigen.
Automatisierungen
Teil des Softwarepakets ist aber nicht nur das Auslesen von Daten und die Überwachung des Haushaltes, es lassen sich basierend darauf auch Schaltungen realisieren. Gerade wenn bei „Balkonkraftwerken“ keine Einspeisevergütung gezahlt wird, wäre es ja praktisch wenn man das Einspeisen so gut es geht verhindert und den Strom selbst verbraucht. Es sollten entweder händisch oder ebenfalls automatisiert Geräte eingeschaltet werden, die die Überproduktion gut umwandeln und nutzen können.

Im ersten Schritt wird bei unserem Testaufbau eine RGB LED (FRITZ! Smart Light 500) auf rot eingeschaltet, sodass man direkt sieht, es werden mehr als 100 W eingespeist. Zeit also um den Laptop zu laden oder ähnliches. Mit selbiger Schaltung und anderen Werten bzw. in Kombination mit schaltbaren Steckdosen lassen sich auch der Filamenttrockner, die Waschmaschine oder andere Verbraucher steuern.
So kann der FRITZ! Energy 250 auch zu einer effizienteren Nutzung des Balkonkraftwerks beitragen. Einziger Paramter ist dabei die ausgelesene Leistung. Negative Werte sind dabei Einspeisung ins Netz, „ist kleiner als“, bedeutet -100W und höhere negative Werte als -100W. Positive Werte stellen den Bezug aus dem Netz da.
Fazit
Mit dem FRITZ!Smart Energy 250 erweitert FRITZ! sein Smart-Home-Portfolio um eine sinnvolle Komponente, die deutlich mehr kann, als lediglich den Stromverbrauch anzuzeigen. Die Installation des Lesekopfes selbst ist innerhalb weniger Minuten erledigt, sofern der Stromzähler kompatibel ist. Der aufwendigste Teil ist vielmehr die Freischaltung der optischen Schnittstelle am Stromzähler, die je nach Hersteller durchaus Geduld erfordern kann. Hier liegt die größte Einstiegshürde – nicht am Produkt selbst.
Im Alltag überzeugt der Energy 250 anschließend mit einer zuverlässigen Verbrauchserfassung, langer Batterielaufzeit und der gewohnt einfachen Integration in das FRITZ!-Ökosystem. Besonders Besitzer einer FRITZ!Box profitieren davon, dass keinerlei zusätzliche Bridge oder Cloud-Dienste notwendig sind. Alles bleibt lokal im eigenen Netzwerk und wird über FRITZ!OS verwaltet.

Richtig interessant wird der Energy 250 allerdings durch die Automatisierungen. Statt den Stromverbrauch lediglich zu beobachten, lassen sich auf Basis der aktuellen Leistungsaufnahme oder Einspeisung direkt Aktionen auslösen. Vom Einschalten einer Statusbeleuchtung über das Aktivieren schaltbarer Steckdosen bis hin zu eigenen Smart-Home-Szenarien bietet FRITZ! bereits heute einen praxisnahen Funktionsumfang. Gerade Anwender, die ohnehin vollständig auf das FRITZ! Smart Home setzen, erhalten damit einen zusätzlichen Baustein für intelligente Abläufe. Besitzer größerer PV-Anlagen verfügen zwar häufig bereits über ein eigenes Smart Meter, das diese Daten ebenfalls bereitstellt und beispielsweise in Home Assistant genutzt werden kann. Wer jedoch bewusst im FRITZ!-Universum bleiben möchte, erhält mit dem Energy 250 eine sauber integrierte Lösung ohne zusätzliche Systeme.
Verbesserungspotenzial gibt es dennoch. Die Historienansicht könnte deutlich flexibler sein, einige kleinere Softwarefehler – etwa bei der Einspeisevergütung oder gelegentlich nicht ladenden Diagrammen – trüben den ansonsten sehr guten Eindruck minimal. Da FRITZ! seine Produkte jedoch über viele Jahre hinweg mit neuen FRITZ!OS-Versionen versorgt und Fehler regelmäßig behebt, rechnen wir damit, dass viele dieser Punkte künftig per Softwareupdate verschwinden werden. Genau dieser außergewöhnlich lange Software-Support gehört seit Jahren zu den größten Stärken des Herstellers.
Unterm Strich richtet sich der FRITZ!Smart Energy 250 weniger an Nutzer, die möglichst umfangreiche Energieanalysen oder professionelle Energiemanagementsysteme suchen. Dafür gibt es spezialisierte Lösungen. Wer jedoch bereits eine FRITZ!Box besitzt und sein Smart Home um eine unkomplizierte Verbrauchserfassung inklusive Automatisierungen erweitern möchte, erhält für rund 70 Euro eine durchdachte, lokal arbeitende und hervorragend integrierte Lösung. Der Energy 250 passt damit perfekt in das FRITZ!-Ökosystem und macht genau das, was man von einem FRITZ!-Produkt erwartet: einfach einrichten, zuverlässig nutzen und über viele Jahre hinweg Software-Updates erhalten.
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