Testmodelle
Wir haben auch einige Modelle gedruckt, die man vorzugsweise mit flexiblem Material drucken kann. Gerade bei den Bällen und Wurfgegenständen ist PEBA mit dem erhöhten Rücksprungwert perfekt.
Die Druckprofile brauchen allerdings noch etwas Feintuning. Gerade bei den unteren Kanten hängen oft Tropfen Filament, andere Rückzugswerte könnten hier vielleicht helfen. Generell wenn das Thema Supports konkret wird, sollte man schauen, dass man z.B. PLA als Support Material nutzt. PLA kann später einfach vom PEBA (auch von TPU) getrennt werden, wie ihr beim Basketball sehen könnt. Das schwarze Material an der Stelle ist PLA. Denn PEBA aber auch bei TPU klebt der Support sonst schon extrem und hinterlässt eine unschöne Oberfläche. Für schnellere Materialwechsel ist es vielleicht auch zu empfehlen nur das reine Interface zwischen Support und Modell in PLA drucken, aber beim Preis von PEBA, macht ein kompletter PLA Support natürlich ebenfalls Sinn.




Der Tennisball konnte nicht nur zeigen, wie hoch er springen kann, sondern musste auch auf die Waage. TPU 30g und PEBA 27g, lediglich 10% leichter. Etwas weniger als angegeben, aber die Ersparnis lässt sich vermutlich noch etwas weiter im Slicer optimieren. Bei uns haben sowohl der TPU und PEBA Tennisball gleiche Wandstärken, Füllungen und Schichthöhen.
Bei den kleinen Bällen sieht man auch wieder die Filamenttropfen, aber bei dem feinen Design fallen sie nicht sonderlich auf. Perfektes Sprungverhalten für einen kleinen Ball, wenn auch für Tischtennis vermutlich etwas zu schwer.

Der Basketball war mit der längste Druck. Die Qualität ist bis auf die Filamenttropfen auf den unteren Überhängen sehr gut geworden. Leider sind die Parameter für eine richtige Nutzung des Basketballs nicht perfekt gewesen. Beim Werfen verformt er sich leider mehr in sich selbst und absorbiert beim Zurückspringen zu viel Energie dabei. Kurzum er springt nicht sehr gut – schade, aber immerhin sieht er gut aus.


Füllungstest von User BEDROCK 3D
Mit diesem Test kann man die verschiedensten Härtegrade bei verschiedensten Füllungen erfühlen. Von 7 bis 25% in Gyroid Füllung. Sehr praktisch für zukünftige Projekte.

Pop Fidget Wal von User Ellipse
Für die nervösen Finger gabs bei Makerworld dieses Pop Fidget. Die Hügel lassen sich hin und her ploppen und geben ein Geräusch wie Knisterfolie von sich. Prinzipiell auch mit TPU möglich, aber dank PEBA war der doch relativ große Druck schnell in die Realität umgesetzt. Funktioniert wunderbar. Das leichte Stringing war schnell mittels Flamme entfernt.

Nerf Wurfrakete von Lytographum lab
Diese Wurfrakete kennt man vielleicht von verschiedenen Spielzeugmarken in ähnlichem Design. Perfekt für PEBA, da sie bei Einschlag wild umher bounct. Leider hätte ich da vorher mehr Zeit ins Kommentare-Lesen investieren sollen – denn sie fliegt schrecklich. Der Schwerpunkt ist zu weit mittig, sodass sie sich im Flug oft umdreht. Hier muss also deutlich mehr Gewicht in die Spitze, vielleicht gibt es dann nochmal eine Chance für das Modell. Die Bounce Eigenschaften sind trotzdem perfekt und die Rakete ist damit fast unzerstörbar. Im rechten Bild sieht man auch, was passiert, wenn das Material feucht ist. Nach Trocknung und Druck mit dem identischen Profil/Parametern kam das linke Flügelpaar heraus. Kein Stringing und weniger optische Defekte.



Fehldrucke
Ein paar Abbrüche waren natürlich auch mit dabei. Direkt zu Beginn kam beim 2 farbigen Tennisball kein Material nach, was der H2D normalerweise selbständig merkt – diesmal nicht. Die Rolle hatte sich verklemmt und drehte nicht weiter. Erst hier ist aufgefallen, was ich beim Unboxing beschrieben hatte. Die Rolle mit dem roten PEBA, die wir erhalten haben, ist nicht gleichmäßig Breit und hatte sich verklemmt.


Bei der Spitze der Rakete war einmal Spaghetti Alarm durch eine Bettablösung. Bei den weiteren Drucken haben wir dieses Phänomen nicht mehr gesehen, vielleicht ein nicht 100% sauberes Bett. Wie bei allen flexiblen Filamenten ist die Druckqualität nicht ultra sauber, wie man es vielleicht von einem PLA gewohnt ist, aber schaut euch die Bilder an – es sieht verdammt gut aus.
Bisschen Abfall entstand natürlich auch bei den vielen Testdrucken und beim Kalibrieren vom Filament.

Fazit
PEBA ist kein klassischer TPU-Ersatz, sondern vielmehr eine hochwertige Ergänzung für spezielle Anwendungsfälle. Im Test zeigt sich deutlich, dass das Material seine Stärken vor allem dort ausspielt, wo hohe Elastizität, schnelle Rückstellkräfte, Kältebeständigkeit und eine deutlich höhere Druckgeschwindigkeit gefragt sind. Gegenüber TPU punktet PEBA mit spürbar kürzeren Druckzeiten, besserem Rücksprungverhalten und stabilen Eigenschaften selbst bei niedrigen Temperaturen – Eigenschaften, die TPU so nicht bieten kann. Selbst beim Rohmaterial merkt man dies bereits, wenn man versucht daran zu ziehen. TPU reißt sofort, PEBA längt sich erst extremst.

Dem gegenüber stehen ein deutlich höherer Preis, sowie aktuell noch ein überschaubares Ökosystem an fertigen Druckprofilen. Auch kleinere Schwächen wie Filamenttropfen an Überhängen oder die nicht immer perfekte Spulenqualität trüben den ansonsten sehr positiven Gesamteindruck leicht. Dies wird sich aber mit der Zeit sicherlich bessern. Das Filamenthandling bzw. Trocknungsanforderungen sind ähnlich zu TPU.
Unterm Strich ist PEBA kein Material für jedes Projekt, aber eine spannende Wahl für funktionale, flexible Bauteile, Spiel- und Sportobjekte, Dämpfer, Griffe oder Rückprall-Anwendungen, bei denen TPU an seine Grenzen stößt. Wer bereit ist, den höheren Preis zu zahlen und etwas Zeit in Profil-Feintuning zu investieren, erhält mit PEBA ein leistungsfähiges, modernes Flex-Material, das in vielen Bereichen sichtbar neue Möglichkeiten eröffnet.
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