Nachdem wir bereits die heiklen Aktionen mit Direct-Die Kühlung und das Köpfen mehrerer Ryzen CPUs erledigt haben, heute ein deutlich angenehmeres Vorhaben zusammen mit Thermal Grizzly Produkten – vielen Dank an dieser Stelle für die Zusendung der Testmuster. Wir schauen uns Thermal Grizzlys Phasesheet PTM an. Als Testkandidat kommt eine AMD Radeon 6900XT zum Einsatz, die einen Wasserkühler von Liquid Extasy verpasst bekommen hat. Die bisher verwendete Wärmeleitpaste ist zwar von unbekannter Natur, aber schon 3 Jahre im Einsatz. Thermal Grizzly zählt als einen Vorteil die Langlebigkeit auf, wobei klassische Wärmeleitpasten über die Jahre in Nutzung zum Austrocknen neigen, soll das PTM Pad weiter volle Performance liefern.
Das wird natürlich erst der Langzeiteinsatz zeigen, aber einen ersten Blick auf die Leistungsfähigkeit des Phasesheet PTMs werfen wir schon jetzt.
Unboxing
Das Phasesheet PTM wird in der TG üblichen Verpackung geliefert und ist zum Testzeitpunkt ausschließlich in der Größe 50×40 mm für knapp 12€ erhältlich. Im Inneren des Ziplock Beutels befindet sich eine Anleitung, ein Echtheitszertifikat, welches auf einer eigens dafür bereitgestellten Website überprüft werden kann und natürlich die extra Schachtel mit dem PTM Pad.
Installation
Für die Installation auf eurer GPU, CPU oder anderweitigem Chip, muss das PTM Sheet vermutlich zugeschnitten werden. Für unsere 6900 XT brauchten wir ca. die Hälfte. Dazu kann einfach eine Schere genutzt werden, ein kurzer Trip ins Eisfach lässt das Sheet etwas verhärten, sodass es nicht nur einfacher aufgebracht, sondern auch einfacher zugeschnitten werden kann. Das PTM Pad soll ein paar mm über den Chip heraus stehen. Es ist nicht leitend, wenn es weitere Komponenten berührt, kann nichts weiter passieren. Nach dem Reinigen mit Alkohol oder anderen geeigneten Reinigen geht es ans Aufbringen.



Eine Seite der Schutzfolie entfernen, Sheet aufbringen und etwas andrücken. Zweite Seite der Folie abziehen, Kühler montieren und bereit für Zyklus 1. Das Komplizierteste dieser Aktion ist je nach Kühllösung erstmal den Kühler zu demontieren, das Pad selbst verhält sich einfach, es gibt kein „wie viel“, „was ist die Richtige Auftragungsmethode“, wie bei Wärmeleitpaste. Laut Thermal Grizzly kann selbst, ein beim Montieren zerrissenes Pad genutzt werden, solange letztendlich die gesamte Chip Fläche bedeckt ist. Das PTM Phasesheet fängt an sich bei 45°C zu verflüssigen und soll trotz Riss, der nach Verflüssigung vermutlich geschlossen ist, optimal funktionieren.



Benchmarks
Als Referenz haben zuerst, die uns unbekannte Wärmeleitpaste, die von Liquid Extasy verwendet wurde geprüft. Im Anschluss gab es dann nochmal einen Durchgang mit Thermal Grizzlys Einsteigerpaste Aeronaut, bis wir schlussendlich das PTM Pad montiert haben. Laut TG braucht es 10 Hitzezyklen über 60°C, damit das PTM Pad seine bestmögliche Performance abliefern kann. Daher seht ihr im Diagram die Werte direkt nach Montage, die Werte nach dem 10. Zyklus (über mehrere Tage hinweg) und nach mehreren Monaten der Nutzung. Da wir wegen der Wasserkühlung gerade mal so über 6o°C gekommen sind, kann die „Einfahr“-Zeit bei anderen Konstellationen evtl. schneller von statten gehen. Getestet wurde bei konstanter Raumtemperatur nach 10 Min Furmark.

Tatsächlich braucht das Pad etwas um sich optimal zu verteilen und Spitzenwerte zu erreichen. Gerade die Hotspot Temperaturen haben sich nach dem Einbrennen um über 3°C verbessert. Vermutlich, da die allgemeine Temperatur kaum oberhalb der von TG empfohlenen 60°C liegt, würden sich die Temperaturen von anderen Modellen oder mit Luftkühler, die gern mal an die 90°C heran reichen, weiter voneinander entfernen.
Einfache Anwendung, im Idealfall eine lange, optimale Haltbarkeit und gegenüber den Eingangswerten 8°C kühlere Hotspots sowie 3°C auf dem gesamten Chip kann sich sehen lassen.
Thermal Grizzly beschreibt auf der Produktseite sehr ausführlich den „Pump Out“-Effekt, bei dem durch unterschiedliche Wärmeausdehnung von Silizium Chip und Kupferkühler, ein herauspumpen der Wärmeleitpaste gefördert wird. Dies wird sicherlich auch seinen Beitrag haben, allerdings konnte ich auch nach jahrelanger Verwendung eher einen Alterungsprozess, ein Austrocknen der klassischen Wärmeleitpaste beobachten, als ein heraus fließen. Genau gegen diesen Pump Effekt arbeitet das Phasesheet PTM, wenn es vom flüssigen Zustand beim Abkühlen wieder zusammengezogen wird und sich verfestigt. Zusätzlich soll es eine erhöhte Langlebigkeit gegenüber Wärmeleitpasten bieten. Wir werden die 6900 XT weiter im Langzeittest beobachten und berichten.
Fazit
Mit dem Phasesheet PTM liefert Thermal Grizzly eine interessante Alternative zur klassischen Wärmeleitpaste ab. Die Montage ist unkompliziert, sauber und nimmt dem Anwender viele Unsicherheiten ab. Es gibt kein Rätselraten über die richtige Menge oder Verteilung – zuschneiden, auflegen, Kühler montieren und den Rest übernimmt das Material selbst. Gerade für Grafikkarten oder CPUs, die über Jahre hinweg ohne erneute Wartung betrieben werden sollen, ist das ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Im Test konnte das Phasesheet PTM seine Stärken bereits nach kurzer Einlaufzeit zeigen. Nach den von Thermal Grizzly empfohlenen Temperaturzyklen sanken die Hotspot-Temperaturen unserer Radeon RX 6900 XT um rund 7 °C gegenüber der zuvor verwendeten Wärmeleitpaste, während sich auch die allgemeine GPU-Temperatur um etwa 3 °C verbesserte. Besonders die Hotspot-Werte profitieren sichtbar davon, dass sich das Material nach mehreren Erwärmungs- und Abkühlzyklen optimal verteilt.
Der eigentliche Mehrwert dürfte jedoch erst im Langzeiteinsatz sichtbar werden. Klassische Wärmeleitpasten altern mit der Zeit, trocknen aus oder verlieren durch mechanische Belastung an Kontaktqualität. Das Phasesheet PTM soll genau diesen Alterungs- und Pump-Out-Effekt vermeiden und über viele Jahre hinweg eine gleichbleibende Wärmeübertragung gewährleisten. Ob dieses Versprechen vollständig eingehalten wird, wird unser Dauertest zeigen – die ersten Monate verliefen bislang jedoch vollkommen unauffällig.
Mit einem Preis von rund 12 Euro für ein 50 × 40 mm großes Sheet ist das Phasesheet PTM zudem fair bepreist und reicht je nach Chipgröße oft für mehrere Anwendungen. Wer seine Hardware regelmäßig wartet und ohnehin alle ein bis zwei Jahre neue Wärmeleitpaste aufträgt, wird den Unterschied vermutlich weniger stark wahrnehmen. Wer dagegen eine möglichst wartungsfreie Lösung sucht oder hochwertige Luft- und Wasserkühlungen langfristig betreiben möchte, erhält mit dem Phasesheet PTM eine moderne und überzeugende Alternative zur klassischen Wärmeleitpaste.
Wir verleihen dem Phasesheet PTM den hwp_verified Award:





