Notebook Display Recycling (LVDS LCD)

Wir haben heute eine kleine Premiere hier auf hardwarepoint. Der erste Beitrag eines „Gast Redakteurs“, Meik aka WyvernDex hat uns auch schon bei anderen Projekten mit seinem Elektronik-Fachwissen unterstützt und geholfen. So z.B. bei unserem Benchtable Projekt und der Ansteuerung der 12V Vandalismus Taster. Heute möchte er euch zeigen wie man zumindest das Display aus eurem alten oder auch kaputten Laptop für kleines Geld doch noch wiederverwenden kann.

Viel Spaß dabei!

 

Notebook LCD (oder anderes LVDS LCD) als Monitor  verwenden

 

Dieser Artikel richtet sich an alle, die noch ein altes Notebook Display rumliegen haben und bisher nicht wussten, was man damit noch anfangen könnte.

Denn: Mit einer einfachen Platine lässt sich das alte Display eures Laptops wie einen ganz normalen Monitor verwenden!

Was ihr dazu benötigt:

  • Grundkenntnisse im Löten und Elektronik
  • Lötkolben, Multimeter
  • Das LVDS Kabel des Displays sowie einen passenden Inverter für das CCFL Backlight
  • LVDS Interface Board (PI-MDV6822 ~10€) mit passender Pfostenbuchse (RM 2mm) und Flachbandleitung
  • Fingerspitzengefühl

Stecker lvds Unbenannt

 

LVDS Stecker für das Display                                                 CCFL Inverter

Controller                         IDE-cable-end1

LVDS Interface Board                                                                 Pfostenbuchse mit Leitung

 

Nachdem alle Arbeitsmaterialien beschafft wurden, geht es darum die Pinbelegung des LCD herauszufinden.

Idealerweise lässt sich ein passendes Datenblatt ergoogeln, wenn das allerdings nicht hilft, kann man mit etwas Glück selbst die korrekte Belegung herausfinden.

 

Dazu erst einmal ein Blick auf das Display Kabel (das ihr hoffentlich aus eurem Notebook mit gerettet habt).LCD back

Häufig ist das Kabel noch mit einer Art Tape umwickelt, dieses sollte vorher entfernt werden.

Danach wird mittels eines Durchgangsprüfers (Multimeter) getestet, welche Adern intern miteinander verbunden sind.

Bei diesem Display (N154I1 von Chi Mei Optoelectronics) sind das die vier Schirme und die Pins 1, 10, 13, 16, 19, 22, 25 und 28.

Da alle diese Pins mit unter anderem mit dem Schirm verbunden sind, können wir davon ausgehen, dass es sich hierbei um die Masse handelt (VSS/GND).

Des weiteren kam bei der Durchgangsprüfung heraus, dass die Pins 2, 3 und 4 miteinander verbunden sind, daher kann man davon ausgehen das hier die Versorgungsspannung angelegt werden muss.

Optisch direkt zu erkennen sind in diesem Beispiel vier separat geschirmte Paare (manchmal auch durch Farben voneinander abgegrenzt), diese sind bei allen bisher von mir gesehenen LCDs gleich aufgebaut:
(In Zählrichtung) Rin-, Rin+, GND bzw. Schirm.

Damit kommen wir für die verbleibenden Pins auf folgendes Ergebnis:
Pin8: Rin0-, Pin9: Rin0+, Pin10: GND, Pin11: Rin1-, Pin12: Rin1+, Pin13: GND, Pin14: Rin2-, Pin15: Rin2+, Pin16: GND, Pin17: Clk_in-, Pin18: Clk_in+, Pin19: GND.

Die Pins für die Clock befinden sich meistens direkt VOR oder NACH den anderen Eingängen, abgegrenzt von jeweils einem GND Pin.

Wer mitgedacht hat, dem ist aufgefallen, dass zwei Pins bisher gefehlt haben.
Diese Pins 6 und 7, jeweils mit EDID Clock und EDID Data zu bezeichnen (Extended Display Identification Data), dienen dazu das Display gegenüber seinem Controller zu identifizieren, unter anderem werden unterstützte Auflösung und Bildwiderholfrequenz übermittelt.

Diese beiden Pins sind optional und werden im weiteren Verlauf nicht beachtet.

 

Da inzwischen die Pinbelegung des LCD bekannt ist, können wir dieses mit dem LVDS Interface Board verbinden, dazu kann ein Blick in das mitgelieferte Datenblatt nicht schaden (Seite 7).
Dazu wird die Pfostenbuchse mit der Flachbandleitung verbunden (Wer keine Crimp Zange besitzt, ein einfacher Schraubstock tut es auch), die einzelnen Adern mit ihrem Pendant des LVDS Kabels verlötet und mit einem Stück Schrumpfschlauch (oder was sonst so herumliegt) gesichert.

 

Das Video Interface ist nun endlich fertig, es fehlt nur noch die Ansteuerung des Backlights.
Dazu stellt das LVDS Interface Board insgesamt vier Pins zur Verfügung;
Bezeichnet sind diese mit 12V, GND, ADJ und BL_ON.
BL_ON steht auf high, sobald ein Video Signal an einem der beiden Eingänge registriert wird, an ADJ liegt ein PWM Signal an um die Helligkeit der CCFL Röhre zu regulieren.

Nun geht es darum, die entsprechenden Pins auf unserer Inverter Platine zu finden, dazu wird auch hier wieder anfangs der Durchgangsprüfer verwendet:

Inverter

 

Das Ergebnis: Eine Boardseitige Verbindung zwischen den Pins 1 und 2, sowie zwischen 3, 7, 9 und 10.

Außerdem lässt sich auf dem PCB eine kleine Sicherung erkennen, die laut Durchgangsprüfer direkt mit den Pins 1 und 2 verbunden ist, daher folgende Schlussfolgerung: Pins 1, 2: +12V, Pins 3, 7, 9, 10: GND.

Die verbleibenden Pins wurden durch simples Try & Error herausgefunden:
Pin 6: BL_ON und Pin5: ADJ.
Die verbleibenden 3 Pins hatten keine sichtbare Funktion.
Nun müssen nur noch die Jumper auf dem LVDS Board korrekt gesetzt werden (siehe Datenblatt), am ALLER WICHTIGSTEN ist die korrekte Einstellung der Versorgungsspannung des LCD, zur Auswahl stehen 3,3V, 5V und 12V.
Sollte man sich nicht sicher sein, welche Spannung die richtige ist, am besten klein anfangen.
Unter Umständen kann das LCD unrettbar zerstört werden!

 

Sofern alles korrekt verdrahtet wurde und die Jumper zu den Display Parametern korrekt sind, sollte das Endergebnis in etwa so aussehen:

LVDS1

Wer mag, kann sich jetzt noch ein Bedienfeld für das OSD basteln, sowie einen Taster zum Ein- Ausschalten des Ganzen, die Grundfunktion ist jedoch bereits gegeben.

Viel Spaß! Falls ihr noch Fragen habt, ab dafür in die Kommentare.