[Review] SainSmart Genmitsu Kintix Hybrid Galvo Laser

Im Betrieb

Mit Laser Klasse 1 ist der Kintix durch sein Gehäuse und die automatische Abschaltung bei Gehäuseöffnung ausreichend geschützt. Informiert euch vor der Inbetriebnahme dennoch über mögliche Gefahren und nutzt bei Bedarf zusätzliche Sicherheitsaustattung. Gerade auch wenn der Laser in die anderen Höhenstufen gestellt ist.

Der Kintix Laser lässt sich über diverse Möglichkeiten steuern, wir schauen uns primär die gängige Software Lightburn in Zusammenarbeit mit dem Hybrid System sowie die Genmitsu App an. Zusätzlich lässt sich der Laser aber auch offline mit einem Projekt auf der SD Karte betreiben, sowie über andere GRBL basierende Software wie LaserGRBL oder auch CutLabX.

Positiv fällt direkt der Leerlaufmodus auf. Wenn der Laser angeschlossen ist und ihr aber noch am Einrichten von Lightburn oder dem Projekt seid, schalten sich die Lüfter sowie das Licht nach 30 Sekunden ab. Bei anderen Lasern haben wir oftmals Noctua Lüfter verbaut, weil man doch schon einige Zeit in diesem Modus unterwegs ist, bis es wirklich ans Lasern geht.

Sobald der Laser für die Positionierung eingeschaltet wird, läuft auch nur dieser Kühllüfter, der Abluft-Quirrl bleibt weiterhin stumm. Erst wenn ihr den Laserkopf bewegt oder der scharfe Schuss startet, fahren alle Systeme wieder hoch. Das Licht ist im IDLE Modus allerdings ebenfalls aus, eine Aktivierung beim Öffnen des Acrylglases wäre hilfreich.

Beim Thema Positionierung fehlt es dem Kintix an einem Kamerasystem. Der extrem gebündelte Laserpunkt ist beim Kintix sehr klein, gut für alle Details in den Projekten, wird hier durch die Ausrichtung etwas erschwert, weil man den Punkt relativ schwierig erkennt. Manche Materialien sind an dieser Stelle vorteilhafter, manche eher nicht so. Gerade dunkle Materialien tun sich in dieser Kombination schwer.

Der rote Punkt ist lediglich für den Fokus, in diesem Fall bereits eingerichtet, die eigentlich zwei Punkte liegen übereinander. Der kleine, blaue Punkt unterhalb ist vom eigentlichen 10 W Diodenlaser. Damit der Fokuslaser nicht so strahlt, liegt eine schwarze Papierkarte bei, die bei schwierigen Materialen etwas hilft.

Lightburn

Lightburn ist eines der meist genutzten Laser Design und Steuerungssoftwares, die im Hobby Bereich genutzt werden. Viele Hersteller bieten zu ihren Lasern zwar eigene Softwarelösungen an, SainSmart bzw. Genmitsu geben keine eigene Desktop Softwarelösung mit und vertraut auf Open Source (LaserGRBL) sowie andere Softwareentwickler. Zur Mobilen App kommen wir später.

Auf der mitgelieferten SD Kart sowie auch im SainSmart Resource Center lässt sich eine Gerätedatei finden, die in Lightburn importiert bereits alle Parameter des Kintix Laser bereithält. Ein schneller Start also.

Mit dem Hintergrundwissen, dass es sich beim Kintix um ein sehr schnelles Spiegelsystem auf der Y Achse handelt, aber um ein klassischen Riemenantrieb in X, vergleichen wir erst einmal ein paar Zeiten. 1. den normalen Laser-Bild-Aufbau von unten nach oben – sprich die X Achse ist der Hauptakteur und 2. ein um 90° gedrehtes Abfahren des Projektes – also der Y Achse als primärer Bewegungsapparat.

Tatsächlich lassen sich dadurch extreme Zeitvorteile verschaffen:

8:46 min zu 3:21 min beim Kintix Herz oder 22:02 min zu 10:48 min beim Platinendesign. Eingestellt kann der Linienaufbau mit einem Doppeklick auf die Ebene und der Einstellung „Scan Winkel“. Standard von links nach rechts, lässt sich mit einer 90° Drehung von unten nach oben ändern. Somit bewegt sich die X Ache nur noch die hier eingestellten 0,1 mm pro Linie. Der Spiegel führt den Laser über die komplette Höhe.

$$ in die Konsole bei Lightburn eingetippt und man sieht auch direkt warum sich eine solche Zeitersparnis ergibt:

Die im Controller gespeicherten Firmwareeinstellungen zeigen u.a. die Geschwindigkeit und Beschleunigung der diversen Achsen. X kann maximal mit 12000 mm/min und einer Beschleunigung von 240 mm/sek² betrieben werden, Y dagegen aber mit 80000 mm/min und auch 80000 mm/sek². Genau hier erkennt man von Genmitsu die nicht vorhandenen 90000 mm/min, die versprochen worden sind, allerdings kann man die Werte hier natürlich entsprechend anpassen. Wie man diese Werte tuned und testet um schnellere Projektzeiten zu erhalten haben wir in diversen Tests bereits beschrieben (hier nachzulesen) deshalb verzichten wir heute mal darauf. Speichert euch am Besten aber jetzt schon einmal diese Grundeinstellung, falls ihr etwas fatal Verstellt und nicht mehr zum Ausgangszustand zurück kommt. Gerade die Beschleunigungswerte machen sich gut um erhöht zu werden, 240 mm/sek² in X klingt relativ gering.

Ebenfalls aus den $$ Werten zu entnehmen sind die deaktivierten Soft Limits, welche vermutlich der Y Achse geschuldet sind, da diese nicht wirklich einen Anschlag hat. Sonst würde die Kombination aus Homing Endschaltern mit errechneten Soft Limits über die maximale Verfahrstrecke jeder Achse (Axis maximum travel) zu einem automatischen Stoppen des Gerätes führen, bevor in den mechanischen Anschlag geknallt wird.

Egal, wir starten direkt mit ein paar Materialtestes bei den maximal möglichen 80000 mm/min – schnell stellt sich aber Ernüchterung ein. Wer zuvor schonmal mit einem 10 W starken Diodenlaser gearbeitet hat, wird feststellen, dass bei dieser Geschwindigkeit nicht mal Papier markiert werden kann. Das war auch SainSmart bewusst, weswegen die Kintix Material Übersicht auch nur maximal 12000 mm/min angibt (in der 5 W Version sogar nur 8000 mm/min). Spätestens dort kann man sich vom „9x schnellerer Graviergeschwindigkeit 90000 mm/min“ aus dem Marketingmaterial verabschieden.

Das erste Testgrid in Sperrholz war also nichts, bei 8000 mm/min wurden schöne Ergebnisse erreicht, die nächste Zeile bei 15250 mm/min konnte bereits nicht mehr überzeugen.

Die Geschwindigkeitsskala also etwas nach unten korrigiert. Neuer Maximalwert 18000 mm/min und e voila, 5000 – 6000 mm/min bei 75-85% Leistung sehen doch endlich gut aus. Da es beim Galvo hauptsächlich um den Geschwindigkeitsvorteil und die geringeren, bewegten Massen geht, haben wir nach weiteren Materialien gesucht, die sich mit maximaler Geschwindigkeit markieren lassen. Beschichtete Metalle sind mit oben dabei. Hier lassen sich sogar 9000 bis 10000 mm/min bei 80-90% Leistung erreichen.

Wie auch beim Holz, mit oder quer zur Maserung, war ist bei der Lackierung der Metallkarte interessanterweise auch unterschiedlich wie der Laser das Blech vom Lack befreit hat. Im linken Bild wurde von rechts nach links (X Achse) gearbeitet, beim rechten Bild von unten nach oben (Y Achse).

Genmitsu App

Die kostenlos für Android und Apple bereitgestellte App befindet sich schon seit mehreren Genmitsu Lasern im Gepäck.

Wir haben die Software schon etwas genauer im L8 Laser Test beleuchtet. Seither kamen neben einer deutschen Übersetzung, die im größten Teil recht gut ist und nur sehr vereinzeln daneben liegt auch Unterstützung für die direkte Gravur von Text sowie eine Auswahl von Lineart Designs. Im groben entspricht die App weiterhin dem, was wir im L8 Artikel gezeigt haben.

Das Resümee zur App bleibt für mich unverändert zum damaligen Test. Für einfache Jobs, mal eben zwischendurch ein QR-, Barcode oder einen Namen/Nummer etc. auf ein Werkstück bringen. Ein KI Lineart direkt vom Handy auf ein Material bringen, dafür ist die App gut geeignet. Für tiefergehende Kontrolle und vor allem für Designarbeit führt für mich kein Weg am PC vorbei. An dieser Stelle hat z.B. Lightburn klar seine Vorteile. Schön zu sehen ist aber der unkomplizierte Wechsel zwischen den Beiden. Einmal Verbunden kann über euer WLAN Netzwerk der Kintix Laser per Smartphone gesteuert werden oder per USB vom PC.

Mehr Arbeit sollte SainSmart aber noch in die Bedienung und Befüllung der Bibliotheken stecken. Es ist zwar eine Material Bibliothek vorhanden, allerdings ist diese leer. Hier könnte seitens Genmitsu bereits alles vorausgefüllt sein. Die Software sollte auch direkt entsprechend des Lasermodules Werte vorgeben können und dem Nutzer bei dem 10 W Kintix weder die 2,5 W noch die 5 W Werte überhaupt anzeigen.

Ein Bug hat sich zusätzlich beim Zurücksetzen der WLAN Verbindung eingeschlichen, obwohl nach einem Neustart des Kintix der Reset entsprechend durchgeführt worden ist.

Inhaltsverzeichnis

  1. Unboxing / Lieferumfang / technische Daten
  2. Äußeres
  3. Inneres / Bewegungssystem
  4. Im Betrieb / Lightburn / Genmitsu App
  5. Vergleich L8 20 W Laser / Fazit