[Review] SainSmart Genmitsu Kintix Hybrid Galvo Laser

Vergleich L8 20 W Laser

Um ein paar mehr Anhaltspunkte zu einem eher klassischen Lasersystem zu erhalten, haben wir den zuvor getesteten L8 Laser heran gezogen. Dieser ist auf allen Achsen per Riemen angetrieben und kann somit nicht an die Beschleunigungswerte und Vorschubswerte des Kintix Lasers heran kommen (zumindest auf der Galvo Achse Y). Wie sehen die Details aus und welche Durchlaufzeiten können erreicht werden. Genau das haben wir mit vier Testgravuren überprüft. Im linken Teil des Bildes mit dem Kinitx Laser hergestellt, rechts mit dem L8 Laser mit doppeltem Vorschub um den 10 W Laser zu 20 W Laser auszugleichen. Die Richtung der Maserung wurde bei beiden Lasern identisch gehalten.

Es zeigt sich, dass der L8 Laser deutlich mehr Energie einbringt und stärkere Kontraste, aber auch höhere Details erreichen kann. Ein Blick auf die Durchlaufzeiten zeigt, dass der L8 trotz doppelt so hohem vorgewählten Vorschub, scheinbar aufgrund der fehlenden Beschleunigungsfähigkeit gar nicht auf die eingestellte Geschwindigkeit kommt. Genau hier greift die dynamische Lasersteuerung, die die Leistung entsprechend auf die reellen Werte anpasst. Dabei lässt sie softwareseitig vermutlich etwas mehr Leistung zu oder der L8 Laser kann den Laser effizienter betreiben. Beide Ergebnisse sind sehr gut, wenn auch der L8 gerade bei der Blume noch etwas feiner Arbeitet oder bei den Endpunkten der PCB Linien etwas weniger Schmauchspuren erzeugt (Druckluft war deaktiviert). Die Schwärzung des Kintix auf das selbe Level wie beim L8 zu heben ist durch eine weitere Reduktion der Geschwindigkeit kein Problem. Durch die weiterhin hohen Beschleunigungswerte, wird die Bearbeitungszeit vermutlich keinen großen Einfluss haben. Teils hat auch das Holz ein großes Wort mit zu sprechen, denn obwohl die Schwärzung beim PCB Design Kintix zu L8 fast identisch ist, so weicht das Gebirge deutlich ab, obwohl es sich um die selbe Holzplatte handelt.

KintixL8
PCB10:48 min9:34 min
Gebirge11:32 min10:04 min
Blumen4:07 min5:55 min
Turbine1:30 min1:31 min

Die Zeiten unterscheiden sich also in der Realität nicht besonderlich, wenn man bedenkt, dass der Vorschub kommend vom Kintix zum L8 verdoppelt wurde. Deshalb lohnt es sich, wie auch schon in früheren Artikeln mehrfach erwähnt etwas Zeit ins Tuning der Maschinen zu investieren und gerade die Beschleunigungswerte von GRBL Fräsen und Lasern zu optimieren.

Die Zeichnung der Turbine hat auf dem Kintix mehr Einband als der L8 Laser erzeugt, wenn auch der L8 klarere Details hervorbringen konnte.

Bei den Tests war der Kintix natürlich auf die Y Achse geschaltet, sodass er den maximalen Geschwindigkeitsvorteil durch den Galvo auch ausspielen konnte. Zur Erinnerung, wenn man eine klassische Fertigungsstrategie über die X Achse verwendetet, brechen die Zeiten zusammen:

3:30 min zu 2:20 min für das selbe Projekt ist schon beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese Tags gerade mal 50×30 mm groß sind. Bei dem Beispiel war die Leistung mit 85% etwas zu gering bzw. die 4000 mm/min zu hoch um ein ansehnliches Ergebnis zu erzeugen, aber hier ging es primär um die Verdeutlichung der Durchlaufzeit.

Fazit

Der Genmitsu Kintix verfolgt mit seiner Kombination aus klassischem Riemenantrieb und Galvo-Spiegel einen interessanten Ansatz. Gerade bei Gravuren, die passend zur Y-Achse aufgebaut werden können, zeigt sich der Vorteil des Systems deutlich: Die hohe Geschwindigkeit und Beschleunigung des Galvos können die Bearbeitungszeit spürbar reduzieren. In unseren Tests waren beispielsweise 3:21 statt 8:46 Minuten beim Herz-Design oder 10:48 statt 22:02 Minuten beim Platinen-Design möglich.

Ganz so spektakulär wie die beworbenen 90.000 mm/min ist der Kintix in der Praxis allerdings nicht. Der Controller ist bereits auf 80.000 mm/min begrenzt und ein 10-W-Diodenlaser kann bei solchen Geschwindigkeiten schlicht nicht mehr genügend Energie ins Material bringen. Bei Holz lagen unsere brauchbaren Geschwindigkeiten eher im Bereich von 5.000 bis 6.000 mm/min, beschichtete Metalle konnten mit 9.000 bis 10.000 mm/min bearbeitet werden. Der Galvo-Vorteil ist also vorhanden, aber nicht automatisch bei jedem Material und jedem Motiv.

Im direkten Vergleich mit dem Genmitsu L8 zeigt sich der Effekt des Galvos. Obwohl der L8 wegen seinem 20 W Laser auf den doppelten Vorschub eingestellt war und somit theoretisch deutlich schneller arbeiten sollte, waren die tatsächlichen Bearbeitungszeiten teilweise erstaunlich ähnlich zum Kintix. Dafür liefert der 20-W-L8 durch seine höhere Laserleistung bei einigen Motiven etwas mehr Kontrast und Details. Der Kintix punktet wiederum bei bestimmten, schnell abzuarbeitenden Gravuren und durch die geringere bewegte Masse.

Abseits des Hybrid-Antriebs gibt es Licht und Schatten. Die kompakte Bauweise, das geschlossene Gehäuse, die Abschaltung beim Öffnen und die verschiedenen Möglichkeiten zur Aufstellung gefallen uns. Die Höhenverstellung und der herausnehmbare Boden machen den Kintix zudem flexibler, auch wenn die Mechanik bei der Höhenverstellung etwas fummelig ist. Ein Kamerasystem zur Positionierung fehlt leider und gerade der kleine blaue Laserpunkt macht das Ausrichten auf manchen Materialien unnötig schwierig.

Auch bei der Software bleibt Potenzial liegen. Lightburn funktioniert gut und die vorbereitete Gerätedatei erleichtert den Einstieg. Die Genmitsu-App eignet sich dagegen eher für schnelle und einfache Aufgaben. Eine besser gepflegte Materialdatenbank und eine stärkere Anpassung der voreingestellten Werte an das tatsächlich verbaute Lasermodul würden den Einstieg deutlich angenehmer machen. Es fehlt an einer eigenen Softwarelösung wie dies z.B. xTool mit dem xTool Studio macht.

Unterm Strich ist der Kintix also kein Laser, der seine Vorteile einfach mit einem „9x schneller“ auf jede Anwendung übertragen kann. Das Hybrid-System ist aber mehr als nur Marketing und kann bei passenden Projekten tatsächlich einen deutlichen Geschwindigkeitsvorteil bringen. Wer einen kompakten 10-W-Diodenlaser sucht und regelmäßig von der hohen Geschwindigkeit der Galvo-Achse profitieren kann, bekommt mit dem Kintix ein interessantes System. Wer dagegen hauptsächlich klassische Gravuren fährt oder möglichst viel Leistung und Arbeitsfläche fürs Geld sucht, sollte auch einen konventionellen 20-W-Diodenlaser wie den L8 in Betracht ziehen. Ebenfalls ein Blick Wert könnte der Creality Falcon A1C mit KI Kamera sein. Ähnliches Preisgefüge wie der Kintix, 10 W Laser, aber durch die Kamera zumindest einfachere Handhabung?!

Wir verleihen den hwp_verified Award.

Inhaltsverzeichnis

  1. Unboxing / Lieferumfang / technische Daten
  2. Äußeres
  3. Inneres / Bewegungssystem
  4. Im Betrieb / Lightburn / Genmitsu App
  5. Vergleich L8 20 W Laser / Fazit